Lebensaufgabe aus der Dunkelheit geboren
Wahrnehmung als Gabe und Weg

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Ein Leben mit erhöhter Neurosensitivität – einer besonders feinen und umfassenden Wahrnehmung kann zur einer herausfordernder Aufgabe werden.
Als Kind habe ich das Leben als eine Enttäuschung erlebt.
Ich hatte oft das Gefühl, auf dem falschen Planeten gelandet zu sein.
So tief zu fühlen und so umfassend wahrzunehmen, hat mich gerade in den schwierigen Zeiten meiner Kindheit überfordert.
Mein Herz erfuhr eine Enttäuschung nach der anderen, und die Depressionen meiner einzigen Bezugsperson – beziehungsweise deren Auswirkungen – nahmen mir den einzigen Halt und die Hoffnung, die ich hatte.
Damit zerbrachen auch meine letzten Illusionen eines Lebens, wie ich es mir vorstellte.
Ich fühlte mich allein und verloren. Bald auch überflüssig und dann einfach nur falsch. Und das über viele Jahre hinweg.
In dieser Zeit versuchte ich verzweifelt, diesen unerträglichen inneren Zustand zu überstehen, und verlor mich dabei in sämtlichen Ablenkungen im Außen.
Das führte zu einer sehr krassen bis hin zu gefährlichen Pubertät, von der ich heute froh bin, sie überlebt zu haben.
Erst mit der liebevollen Beziehung zum zukünftigen Vater meines ersten Sohnes, die ich mit 14 Jahren einging, begann sich mein System langsam zu beruhigen.
Meine Beziehung zu mir selbst war jedoch weiterhin ungesund, was sich deutlich in meinem Umgang mit mir und meinem Körper zeigte.
Zwei Jahre später wurde ich schwanger.
Und das war der Wendepunkt.
Hier begann mein Weg zurück zu mir.
Es war, als würde eine Initialzündung in mir ausgelöst – ein unbändiges inneres Feuer, das alles transformieren wollte, was mich in diesen Zustand geführt hatte.
Nicht aus einem Ideal heraus, sondern aus der Notwendigkeit, jemand zu werden, den mein Kind wirklich braucht.
Heute, mehr als zwei Jahrzehnte später, ist mir klar, dass dieses innere Feuer schon immer Teil meiner Berufung war.
Das Prinzip, das mich damals in Bewegung gebracht hat, wirkt bis heute:
Wenn mein Potenzial gefragt ist und ich Sinn darin sehe, wird wie etwas in mir aktiviert. Ich werde zu der, die jetzt gebraucht wird. Und es hat höchste Priorität. Das hab ich mir nicht überlegt, sondern so funktioniere ich :-)
Die Liebe ist mein Motor.
Der Sinn ist meine Initialzündung.
Ich sehe Potenzial – oft lange bevor es für den anderen greifbar wird.
Gleichzeitig bin auch ich in ständiger Entwicklung, immer wieder unterwegs zu der,
die es im jeweiligen Moment braucht.
In der Zusammenarbeit entsteht etwas Besonderes:
Durch die Einladung eines Menschen, ihn ein Stück auf seinem Weg zu begleiten,
wird jedes Mal aufs Neue eine Initialzündung in mir ausgelöst –
bezogen auf genau diese eine Beziehung.
Sie bringt die Energie mit, das Potenzial des anderen so zu transportieren,
dass er es wirklich aufnehmen kann.
Der Transportweg dafür ist eine liebevolle Verbindung.
Was einst der tiefste Schmerz und eine große Überforderung war,
zeigt sich heute als eine Fähigkeit, die anderen Menschen dienen kann.
Die erhöhte Neurosensitivität trägt beides in sich:
die Tiefe intensiven Erlebens – und die Gabe, das Wesentliche zu erkennen
und in Verbindung zugänglich zu machen.
Oft liegt genau dort, wo eine Seite besonders dunkel ist,
auch die goldene Seite derselben Medaille verborgen.



